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Wann wachsen Pilze? Regen, Bodentemperatur und Wirtsbäume

Von Josef, 22. September 2026, aktualisiert am 23. September 2026

Pilze wachsen, wenn drei Dinge zusammenkommen: der richtige Baum oder Standort, ein passender Boden und zwei Wochen Wetter, die stimmen. Genau das rechnet die Karte für jeden Quadratkilometer Deutschlands. Hier stehen die Regeln dahinter, mit den Zahlen, mit denen sie gerade rechnet.

Herbstlicher Buchenwald bei Altenbrak im Harz
Foto: Ricorrente, CC0, Wikimedia Commons

Wie lange nach Regen wachsen Pilze?

Ein kräftiger Regen auf warmen Boden bringt Steinpilze und Maronen etwa eine bis zwei Wochen später. Die Karte zählt deshalb den Regen der Tage 4 bis 14 vor heute, die letzten drei Tage zählen noch nicht. Regen geht dabei als Wasserbilanz ein: Niederschlag minus die Hälfte der Referenzverdunstung, weil unter Kronen weniger verdunstet als auf der Grasfläche, für die die Verdunstung berechnet wird. Ein Guss, der nach einer Dürre im trockenen Boden versickert, zählt darum weniger als derselbe Guss in einer feuchten Woche.

Pfifferling und Krause Glucke wachsen langsamer, ihre Fruchtkörper brauchen Wochen. Für sie zählt die Bilanz über alle 14 Tage, nicht der einzelne Schub. Beim Judasohr ist es umgekehrt: Es trocknet ein und quillt nach Regen binnen Stunden wieder auf, darum zählen vor allem die letzten drei Tage. Die Schwellen, ab denen der Regen voll zählt:

Welche Bodentemperatur brauchen Pilze?

Für die Arten im Boden entscheidet nicht die Luft, sondern der Boden, gemessen als Wochenmittel in 6 und 18 cm Tiefe. Der Steinpilz mag es kühler, als viele denken: In einem Bielefelder Buchenwald wurden zehn Jahre lang täglich Fruchtkörper gezählt, das Optimum lag bei 13 °C, über 17 °C kam kaum noch etwas. Die Marone kommt mit noch kühlerem Boden zurecht und hält deshalb länger in den Herbst, Pfifferling und Parasol wollen es warm.

Der Schwefelporling sitzt im Sommer am Holz alter Eichen und Weiden. Bei ihm zählt statt der Bodentemperatur die Luft: Tageshöchstwert 7 Tage 19 bis 28 °C.

Wann wachsen Morcheln?

Morchel und Maipilz kommen im Frühjahr, sobald sich der Boden erwärmt hat, und zwar dauerhaft: Eine milde Woche im März reicht nicht. Die Karte liest dafür zusätzlich das Mittel der Bodentemperatur über alle 14 Tage.

Welche Pilze wachsen im Winter?

Austernseitling und Judasohr wachsen im Winter am Holz. Frost schadet ihnen nicht, der Austernseitling braucht sogar einen Kältereiz: Er erscheint, wenn es nach einer frostigen Nacht wieder mild wird. Für beide fällt der Frostabzug weg, stattdessen zählen der Tiefstwert der letzten 14 Tage und die Tageshöchstwerte der letzten drei Tage.

Wie feucht muss der Boden sein?

Die Bodenfeuchte in 3 bis 9 und 9 bis 27 cm Tiefe wird nicht absolut gelesen, sondern als Anteil der nutzbaren Feldkapazität (nFK): Das Wettermodell rechnet auf Lehm mit einer Feldkapazität von 0,34, auf Sand mit 0,20. Ein feuchter Sandboden sähe absolut immer trocken aus, relativ zu dem, was er halten kann, ist er voll. Der Sandanteil der Zelle legt fest, was als voll gilt. Die Optima liegen bei allen Arten im Boden zwischen etwa 55 und 120 % nFK, darüber wird es zu nass. Für die Arten am Holz zählt die Bodenfeuchte nicht:

Unter welchen Bäumen wachsen Pilze?

Steinpilz, Pfifferling und Marone leben in Mykorrhiza mit Bäumen, die Krause Glucke im Wurzelholz der Kiefer. Hallimasch, Schwefelporling, Austernseitling und Judasohr leben von lebendem oder totem Holz, jeder mit seinen Baumarten. Ohne den passenden Baum gibt es den Pilz nicht, egal wie das Wetter ist. Die Baumarten kommen aus der Karte der dominanten Baumarten des Thünen-Instituts (Aufnahme 2017 und 2018, 10 m Auflösung), zusammengefasst zu einem Artenmix je Quadratkilometer. Jede Baumart bekommt je Pilz ein Gewicht zwischen 0 und 1, das mit dem Mix gewichtete Mittel ist die Eignung des Waldes:

Pilze außerhalb des Waldes: Wiesen, Hecken, Auen

Einige Arten wachsen nicht nur im Wald. Der Parasol steht auf Lichtungen, an Waldrändern und auf Wiesen, der Maipilz auf Wiesen und an Hecken, die Morchel in Auwäldern und alten Streuobstwiesen, das Judasohr fast immer am Holunder, der in Hecken, an Waldrändern und in Auen wächst. Für sie rechnet die Karte mit dem Lebensraum statt nur mit den Wirtsbäumen: Zum Wald kommen die Flächen dazu, die die Art nutzen kann, jede mit einer Eignung. Wald und diese Flächen zusammen ergeben die nutzbare Fläche einer Zelle, ihr gewichtetes Mittel die Eignung.

Dazu kommen Zu- und Abschläge: Liegt eine Zelle in einer Flussaue, am Waldrand oder dort, wo seit 2017 das Kronendach verloren gegangen ist, steigt oder sinkt die Eignung um den Anteil dieser Fläche mal das Gewicht. Für Steinpilz, Pfifferling und Marone ist der Kronendachverlust ein Abschlag: Mit dem Baum stirbt die Mykorrhiza. Für den Hallimasch ist er ein Zuschlag, er lebt von geschwächten Bäumen und Stubben. Die Gewichte je Art:

Die Flächen stammen aus dem Copernicus-Programm der EU (Grünland 2018, Hecken und kleine Gehölze 2021), vom Bundesamt für Naturschutz (Flussauen in Deutschland 2021, rezente und Altaue), vom DLR (Verlust des Kronendachs, monatlich aus Satellitenbildern seit September 2017) und aus OpenStreetMap (Streuobst, Parks und Friedhöfe). Den Waldrand leitet die Karte aus der Baumartenkarte selbst ab. Alle Schichten werden mit etwa 100 m Auflösung je Quadratkilometer ausgezählt.

Welcher Boden passt?

pH-Wert und Sandanteil der Schicht in 5 bis 15 cm Tiefe stammen aus SoilGrids, einem weltweiten Bodenmodell mit 250 m Auflösung. Pfifferling und Marone mögen saure, sandige Böden, der Steinpilz ist toleranter, bei der Glucke zählt der Boden kaum, weil die Kiefer schon über die Bäume zählt. Morchel, Maipilz und Judasohr stehen lieber auf kalkreichem, nährstoffreichem Boden, für die Arten am Holz zählt der Boden nicht. Die Kurven sind bewusst flach und begrenzen den Faktor auf 0,25 bis 1, denn SoilGrids hat wenige Waldproben und liegt unter Wald etwa eine pH-Einheit zu hoch (Median hier 5,8). Der Boden verschiebt die Chance, er entscheidet sie nicht. Die Spannen, in denen der Faktor 1 ist:

Frost, Hitze, Schnee, trockene Luft und Jahreszeit

Leichten Bodenfrost vertragen die Arten im Boden, harter Frost beendet ihre Saison: unter −1 °C Tagesminimum sinkt der Wert auf 0,6, unter −4 °C auf 0,25. Austernseitling und Judasohr sind davon ausgenommen. Hitze über 27 °C am Tag drückt auf 0,85, über 30 °C auf 0,6; der Schwefelporling verträgt mehr. Unter einer geschlossenen Schneedecke wächst nichts: ab 5 cm Schnee sinkt der Wert auf 0,5, ab 15 cm auf 0,15. Trockene Luft, gemessen als Dampfdruckdefizit der letzten 48 Stunden über 0,6 kPa, lässt junge Fruchtkörper auch auf feuchtem Boden vertrocknen und drückt bis auf 0,5.

Dazu kommt die Jahreszeit, eine Kurve über das Jahr, die dem Monatsanteil deutscher Fundmeldungen folgt, etwas abgeflacht, weil in den Fundzahlen das Wetter schon steckt:

Wie aus alldem eine Chance wird

Je Zelle und Pilzart gilt: Chance = 100 × Lebensraum × Boden × Wetter. Jeder Faktor liegt zwischen 0 und 1; für die reinen Waldarten ist der Lebensraum die Eignung der Wirtsbäume. Die Multiplikation ist Absicht: Fehlt der Lebensraum, hilft das beste Wetter nichts, und ein ausgetrockneter Boden macht auch den schönsten Fichtenwald leer. Innerhalb des Wetters werden die Kriterien halb als gewichtetes Mittel, halb als geometrisches Mittel zusammengefasst, damit ein einzelner sehr schlechter Faktor den Wert deutlich drückt; Frost, Hitze, Schnee, trockene Luft und Jahreszeit multiplizieren sich obendrauf.

Das Wetter kommt von Open-Meteo (Modelle des DWD und des ECMWF) auf einem Raster von 0,1 Grad, etwa 5 200 Punkte über Deutschland. Ein eigener kleiner Dienst holt jeden Punkt etwa alle 17 Stunden neu und behält 14 Tage Verlauf; zwischen den Punkten wird bilinear interpoliert. Auf der Karte liegt Deutschland unter einem Raster von etwa einem Quadratkilometer je Zelle. Jede Zelle, in der die Art auf mindestens 8 % der Fläche wachsen kann, bekommt eine Farbe von Rot über Gelb bis Grün, die Deckkraft zeigt diese nutzbare Fläche, und ein Klick auf die Zelle zeigt jeden Faktor mit seinem Wert. Lebensraum, Wetter und Boden lassen sich auch einzeln anzeigen.

Was die Regionsseiten rechnen

Die Seiten je Landschaft, Stadt und Bundesland fassen dieselben Zellen zusammen. Der Waldanteil und der Baumartenmix sind Flächenanteile, pH und Sand die Mediane unter Wald. Die Punktzahl je Art ist die Chance ohne Wetter, also Lebensraum mal Boden, gewichtet mit der Fläche, die die Art in jeder Zelle nutzen kann. Die guten Ecken sind die fünf besten Blöcke von 3 mal 3 km nach demselben Maß für den Steinpilz, außerhalb der Nationalparks und weit genug auseinander, damit sie nicht alle in einer Ecke liegen: in einer Landschaft 8 bis 16 km, rund um eine Stadt 14 km, in einem Bundesland 15 bis 75 km. Eine Länderseite nimmt höchstens einen Block je Landschaft. Rund um eine Stadt verliert ein Block zum Rand des Umkreises hin bis zu 10 % seiner Punkte, ein stadtnaher Block geht also einem etwas besseren am Rand vor. Jeder Block heißt nach dem nächsten Dorf oder der nächsten Stadt. Der Wetterkasten oben auf jeder Seite ist das Mittel des Wetterfaktors über die Rasterpunkte der Region. Der Server rechnet ihn jede Stunde neu, der Browser beim Öffnen der Seite noch einmal, damit er so aktuell ist wie die Karte. Die Chance jetzt ist dort und auf der Seite Pilzlage die Punktzahl ohne Wetter mal diesen Wetterfaktor, eine Näherung an den Mittelwert der Karte.

Was die Karte nicht weiß

Die Baumartenkarte ist von 2017/18. Wo seitdem Fichten abgestorben oder geräumt worden sind, im Harz, im Sauerland, im Thüringer Wald und anderswo, rechnet die Karte mit den Satellitendaten des DLR nach. Was dort heute nachwächst, kennt sie nicht.

Einzelne Bäume und totes Holz stehen auf keiner Karte. Für Schwefelporling, Austernseitling und Judasohr zählt aber oft genau die eine alte Weide, der eine Buchenstamm oder der eine Holunder; Maipilze stehen jahrzehntelang im selben Ring. Für diese Arten zeigt die Karte gut, wann es losgeht, aber nur grob, wo. Ihre Wetterschwellen sind erste Schätzungen aus der Literatur, noch nicht an datierten Funden geprüft.

Wetter und Boden sind Modellwerte mit 1 bis 10 km beziehungsweise 250 m Auflösung, keine Messungen im Bestand. Höhenlage, Hangrichtung, Bestandsalter und Streuauflage kennt das Modell nicht. Alle Schwellen sind Erfahrungswerte aus der mykologischen Literatur und werden mit bekannten guten und schlechten Wochen nachjustiert. Und ganz grundsätzlich: Die Karte bestimmt keine Pilze und sagt nichts über Essbarkeit.

Die Zahlen in diesem Beitrag kommen direkt aus dem Rechenweg der Karte und sind damit immer die, mit denen sie gerade rechnet. Ändert sich am Modell etwas Grundsätzliches, wird auch der Text angepasst.