Neues Modell: Regen der letzten Wochen und eine Woche Vorschau
Nach der Vorstellung auf r/Pilze kamen Dutzende Berichte aus dem Wald, und viele zeigten in dieselbe Richtung: Die Karte lag oft eine bis zwei Wochen neben dem, was gerade im Wald stand. Dieses Update ändert, wie sie mit dem Regen rechnet, zeigt die nächsten sieben Tage und zählt für die Marone Eiche und Buche. Hier steht, was sich geändert hat, wie man die Karte jetzt liest, wie das Ganze geprüft wurde und wo sie weiter danebenliegen kann.

Was sich geändert hat
- Regen: Die Karte zählt den Regen, aus dem die Pilze eines Tages gewachsen sind, also den von vor ein bis vier Wochen statt wie bisher den von vor 4 bis 14 Tagen.
- Trockenheit: Dazu kommt die Wasserbilanz der letzten 45 Tage. Ein paar nasse Tage nach einem trockenen Monat zählen damit weniger als in einem feuchten Herbst.
- Wasser als eigener Faktor: Regen und Wasserbilanz multiplizieren jetzt den Rest des Wetters. Eine passende Bodentemperatur kann einen trockenen Monat nicht mehr überdecken.
- Eine Woche voraus: Ein Regler unter den Ebenen zeigt die Karte für heute und die nächsten sieben Tage.
- Marone: Eiche und Buche zählen bei ihr jetzt deutlich mehr.
Warum die Karte zu früh dran war
Ein kräftiger Regen stößt die Fruchtkörper an, sichtbar werden sie aber erst ein bis zwei Wochen später, und ein Schub hält dann zwei bis drei Wochen. Bisher zählte die Karte den Regen von vor 4 bis 14 Tagen. Sie zeigte also, wo gerade ein Schub beginnen kann, nicht, wo Pilze stehen. Nach einem Regen wurde sie grün, bevor im Wald etwas zu sehen war, und nach zwei Wochen vergaß sie den Regen wieder, während die Pilze noch standen.
Genau das stand in den Kommentaren. Im Bergischen Land war der Schub schon vorbei, als die Karte grün zeigte. Im Schwarzwald, im Sauerland und rund um Hannover war sie nach dem Regen Ende September grün, während im Wald noch wenig stand. Im Fichtelgebirge und in Sachsen trugen Leute Körbe voll aus dem Wald, wo die Karte wenig erwartete.
Jetzt zählt Regen ab dem fünften Tag langsam mit, vom 10. bis zum 21. Tag voll, und bis zum 30. Tag läuft er aus. Dazu kommt die Wasserbilanz der letzten 45 Tage, Niederschlag minus Verdunstung, die in einer Dürre negativ wird. Dafür hebt der Wetterdienst hinter der Karte für jeden Rasterpunkt das Wetter der letzten 45 Tage auf statt wie bisher 14.
Mehr Rot auf der Karte: so liest man sie jetzt
Bisher war das Wetter ein Mittel aus Regen, Bodentemperatur und Bodenfeuchte. Passten Temperatur und Bodenfeuchte, blieb der Wert hoch, auch wenn kaum Regen gefallen war. Im Sauerland lag der Wetterfaktor für den Steinpilz so sechs Wochen lang zwischen 54 und 100 %, durch einen fast regenlosen September hindurch. Jetzt ist Wasser ein eigener Faktor, der den Rest multipliziert, und im selben Zeitraum reicht der Wert dort von 6 bis 97 %.
Die Karte nutzt ihre Farbskala damit viel weiter aus, und in einem trockenen Herbst wie diesem ist sie im Mittel deutlich röter. An rund 200 Punkten über ganz Deutschland lag der typische Wetterfaktor für den Steinpilz vom 22. August bis zum 8. Oktober bei 27 statt 57 %. Auch die Chancen auf den Regionsseiten und in der Pilzlage sind dadurch niedriger als vorher. Für das Lesen heißt das:
- Rot heißt jetzt öfter, dass es zu lange nicht genug geregnet hat. In einer Trockenzeit ist das der häufigste Befund und kein Fehler der Karte.
- Gelb heißt: Es kann etwas stehen, aber nicht überall und nicht viel.
- Grün ist seltener geworden und heißt jetzt eher, dass Bäume, Boden und Wetter wirklich zusammenpassen.
- Vergleiche lieber Gegenden und Tage untereinander als mit den Zahlen von früher. Eine 40 im neuen Modell ist nicht dasselbe wie eine 40 im alten.
Wer nur die guten Stellen sehen will, zieht den Griff an der Legende nach rechts; dann blendet die Karte die schwachen Zellen aus.
Eine Woche voraus
Mit dem Regler unter den Ebenen zeigt die Karte heute oder einen der nächsten sieben Tage. Sie rechnet dafür genauso wie für heute, nur mit dem Wetter bis zu diesem Tag. Weil die Pilze eines Tages aus dem Regen von ein bis drei Wochen davor wachsen, ist dieser Regen für die nächsten fünf Tage schon gefallen. Vorhergesagt sind dafür vor allem Bodentemperatur und Bodenfeuchte. Erst weiter voraus zählt auch vorhergesagter Regen, und der ist unsicherer.
Ein Klick auf eine Zelle zeigt für den gewählten Tag jeden Wert einzeln und sagt dazu, was davon vorhergesagt ist. Die Regionsseiten und die Pilzlage zeigen weiter den heutigen Tag.
Maronen unter Eiche und Buche
Aus dem Taunus kam der Hinweis, dass dort Maronen in Massen stehen, wo die Karte kaum welche erwartete. Sie hatte der Marone Eiche und Buche fast abgesprochen, mit Gewichten von 0,35 und 0,4 gegenüber 1 für Fichte und Kiefer.
Geprüft wurde das an rund 3 700 Maronen- und 3 700 Steinpilzfunden aus Deutschland auf GBIF, deren Ort auf einen Kilometer genau bekannt ist. Verglichen wird die Marone mit dem Steinpilz, weil beide von denselben Leuten gemeldet werden; der Vergleich mit dem Wald insgesamt zeigt vor allem, wo gesucht wird. Ergebnis: Maronen stehen in eichenreichem Wald genauso oft wie Steinpilze und in Buchenwald etwa 0,8-mal so oft. Eiche und Buche zählen bei der Marone deshalb jetzt mit 0,8 und 0,65. Im Taunus steigt ihre Eignung damit von 22 auf 36 von 100, rund um Köln und Frankfurt von etwa 22 auf 38. Vorn bleiben die Kiefern- und Fichtengebiete wie Schorfheide, Fläming und Erzgebirge.
Ist die Karte damit genauer?
Geprüft ist das neue Regenfenster an den Funden von Steinpilz, Marone und Parasol, die vom 22. August bis zum 8. Oktober 2026 auf GBIF gemeldet wurden, fast alle über iNaturalist: 267 Steinpilze, 134 Maronen und 122 Parasole. Für jeden Fund lässt sich ablesen, wie die Karte den Tag des Funds bewertet, verglichen mit allen anderen Tagen an derselben Stelle. Ohne jeden Zusammenhang läge der Fundtag im Mittel genau in der Mitte, bei 0,5. Mit dem alten Fenster lag er beim Steinpilz bei 0,60, mit dem neuen bei 0,64. Bei der Marone stieg der Wert von 0,64 auf 0,71, beim Parasol von 0,61 auf 0,63.
Das ist eine Verbesserung, keine Treffsicherheit. Beim Steinpilz und beim Parasol ist der Abstand klein, bei der Marone deutlich. Gemeldet wird vor allem am Wochenende und dort, wo Leute ohnehin suchen, und das Wetter für den Vergleich stammt vom nächsten Punkt eines groben Rasters. Nicht jeder Bericht geht auf: Im Fichtelgebirge fiel der meiste Regen drei bis sechs Wochen vor den Funden, zu früh für das neue Fenster. Ein längeres Fenster würde dort passen, macht die Karte über alle Funde gerechnet aber schlechter. Vielleicht halten Schübe im kühlen Bergland länger; geprüft ist das noch nicht.
Die Hoffnung ist, dass die Karte jetzt dort grün wird, wo gerade Pilze stehen, statt dort, wo gerade Regen gefallen ist, und dass sie in einer Trockenzeit rot bleibt, statt nach dem ersten Schauer grün zu werden. Ob das stimmt, zeigt der Rest der Saison. Wenn sie in deiner Gegend deutlich danebenliegt, hilft ein Hinweis mit ungefährer Gegend und Datum; die Adresse steht im Impressum. Alle Schwellen und Zahlen stehen im Beitrag Wann wachsen Pilze?
Danke an r/Pilze
Am 7. Oktober wurde Sporensuche in der Reddit-Community r/Pilze vorgestellt, mit Rechenweg, Datenquellen und der Bitte um Rückmeldungen aus dem Wald. Daraus wurden rund 60 Kommentare mit Fundberichten aus dem Fichtelgebirge, dem Taunus, dem Schwarzwald, der Lüneburger Heide und vielen anderen Gegenden, dazu Fragen und Ideen, und die Moderatoren haben den Beitrag angepinnt. Ohne diese Berichte gäbe es dieses Update nicht. Danke an alle, die geschrieben haben.
Weitere Vorschläge aus dem Thread stehen auf der Liste, etwa eine Benachrichtigung, wenn die Chance in einer Gegend steigt, die Grünlandtemperatursumme als Startsignal für Morcheln im Frühjahr, Österreich und die Schweiz und eine Ebene mit Schutzgebieten. Mitlesen und mitreden lässt sich im Beitrag auf r/Pilze.